Und jetzt? – Logopädie und Ausland kombinieren

Den Schulabschluss hast Du endlich in der Tasche. Aufatmen! Aber was kommt jetzt? Studium oder Ausbildung ? Oder vielleicht  doch lieber verreisen? Definitiv nochmal
etwas erleben und von der Welt sehen, bevor ich in einem Job festsitze. Das steht fest! Logopädie ist toll, aber der Weg ins Ausland ist damit wohl versperrt ....... Falsch!


 http://www.diakonie-kolleg-hildesheim.de/fileadmin/user_upload/Diakonie_Kolleg_Hildesheim/News/425_72.jpg      http://www.diakonie-kolleg-hildesheim.de/fileadmin/user_upload/Diakonie_Kolleg_Hildesheim/News/429_72.jpg

In diesem Artikel möchte ich von meinen Erfahrung über soziales Arbeiten im Ausland erzählen. Auch möchte ich Anregungen geben, wie man  als Logopädin bzw. Logopäde in einem fremden Land arbeiten kann.

Vor meiner Ausbildung als Logopädin habe ich ein Jahr  im sozialen Bereich gejobbt. Ein halbes Jahr davon war ich hier in Deutschland und habe in einer Tagesförderstätte für Menschen mit körperlichen und mentalen Retardierungen gearbeitet. Ich habe diese Zeit wirklich sehr genossen, aber trotzdem hat mir irgendetwas gefehlt. Die Tageförderstätte lag in der Stadt in der Nähe meines Elternhauses. Die Gegend war also nichts Neues für mich. Urlaubstage waren eher knapp bemessen und Reisen bedeutet unter Umständen ziemlich viel Geld auszugeben. Außerdem fand ich die Idee eines Pauschalurlaubs auch nicht besonders anziehend.  Es musste also eine andere Lösung her.

Ich habe mich beim Internationalen Bund (IB), der auch das Freiwillige Soziale Jahr anbietet, nach Möglichkeiten informiert, einen Auslandsaufenthalt mit einer sinnvollen Tätigkeit zu verbinden. Der IB selbst bietet an, dass Freiwillige Soziale Jahr im Ausland zu machen. Tolle Sache! (Weitere Informationen finden sich dazu auch über das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (www.bmfsfj.de )

Dafür war ich aber leider zu spät dran. Da die Plätze begrenzt sind, gibt es je nach Einsatzort unterschiedliche Bewerbungsfristen, die eingehalten werden müssen. Die Mitarbeiterin des IBs empfahl mir, mich nach der  Organisation zu Camphill zu erkundigen. Ihre Tochter arbeitete zu dieser Zeit in einem Camphill in Irland. Für mich stand die Sache damit schnell fest: Ich gehe nach Irland und arbeite als Co-Worker in einem Camphill.

Ein Camphill ist eine anthroposophische Einrichtungsart für Menschen mit körperlichen und mentalen Retardierungen.  Die Lebensweise folgt der Ideologie von Rudolf Steiner und unterliegt  dem Selbstversorgungsgedanken (www.camphill.net). Jeder oder jedem, der gerne eine längere Zeit im Ausland leben und arbeiten möchte, der den Kontakt mit retardierten Menschen nicht scheut und der neue Seiten an sich entdecken will, dem empfehle ich sich so schnell wie möglich nach einem Platz als Co-Worker umzusehen. In der Community in der ich gearbeitet habe, ist einmal in der Woche eine Logopädin gekommen um mit den Residents (Bewohner mit mentaler Retardierung) zu arbeiten. Ich hatte die Möglichkeit einige Male dabei zu sein.
Du solltest allerdings wissen, dass die Arbeit in einem Camphill eine sehr anspruchs- und verantwortungsvolle Aufgabe ist. Man arbeitet sehr intensiv und nahe mit den betroffenen Menschen. Dabei ist deine Privatsphäre, so wie du sie von zu Hause kennst, nicht mehr vorhanden. Das Motto ist „Life Sharing“ und das wird rund um die Uhr praktiziert, denn man lebt und arbeitet zusammen. Trotz dieser Einschränkungen bereue ich keinen einzigen Moment meiner Zeit in Irland. Camphill-Einrichtungen gibt es rund um die Welt !
Siehe auch: www.a-tempo.de

Ich habe mich auf der Internetseite der Camphill-Organisation in Irland informiert und habe Bewerbungen an drei verschiedene Einrichtungen geschickt. Auf der Internetseite findet sich dazu ein vorgefertigtes Online-Formular. Wer sich die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen nicht zutraut, der kann sich auch als Au-pair im Ausland bewerben. Und wenn du sowieso gerne mit Kindern arbeitest, ist das die Gelegenheit, die Beobachtung der kindlichen (Sprach-)Entwicklung mit dem Nervenkitzel eines unbekannten Abenteuers zu verknüpfen. Und warum eigentlich nicht mal etwas richtig Verrücktes machen bevor der Ernst des Lebens beginnt?

Such dir ein Land aus, am besten eins dessen Landessprache du sprichst. Schreib LogopädInnen, Atem-, Sprech-und StimmlehrerInnen, Sprachheilpädagogen oder andere sprachtherapeutische Heilberufler an, frag nach einem Praktikumsplatz, pack deine Koffer und los geht’s! Na gut, so einfach ist es dann leider doch nicht. Gib dir und den kontaktierten Personen etwas Zeit. Das heißt im Klartext: Fang mindestens drei Monate vor deiner Reise mit der Planung an. Grenze die Region ein, die du bereisen willst. Einmal quer durchs Land und wieder zurück, das ist aufwendig zu planen, kostest Zeit und womöglich viel Geld. Du bist ja schließlich auch unterwegs um etwas über deinen zukünftigen Beruf zu lernen. Es gibt verschiedene Internetseiten, die auf Aushilfsjobs und Praktika ausgelegt sind:

www.ib-freiwilligendienste.de
https://www.dbl-ev.de/bildung-und-wissenschaftsfoerderung/ausbildung-und-studium/studieren-im-ausland.html
www.projects-abroad.de
www.workaway.info
www.oiccambodia.org

http://www.diakonie-kolleg-hildesheim.de/fileadmin/user_upload/Diakonie_Kolleg_Hildesheim/News/451_72.jpg
Nach der Logopädie-Ausbildung

Die Prüfungen sind durch und du hast dein Examen erfolgreich bestanden. Glückwunsch!

Und was hast du jetzt vor? Dich in die Arbeit stürzen natürlich! Aber hier in Deutschland, für immer?

Die Aussicht nur noch während der künftigen Urlaubstage die Welt zu bereisen, war auch für mich erstmal nicht so erfreulich. ABER: Keine Panik! Auch nach deiner Ausbildung als deutschsprachige Logopädin bzw. deutschsprachiger Logopäde bist du nicht zwangsläufig an Deutschland gebunden.

In bestimmten Bereichen der logopädischen Therapie kann man sich spezialisieren und an Behandlungszentren im Ausland arbeiten. Beispielsweise kann man für die Behandlung des Stotterns in Kanada, im dortigen Montreal Fluency Centre, tätig werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, während eines Bachelor- oder Masterstudiums, z.B. an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim, ein Auslandssemester zu absolvieren. Dafür stehen im Rahmen vom Erasmus+ folgende Länder und Hochschulen zur Verfügung:

Weitere Informationen zu Erasmus+ sind hier nachzulesen: http://www.hawk-hhg.de

Nach dem Bachelor gibt es noch die Möglichkeit, dass Masterstudium komplett im Ausland zu absolvieren. Zum Beispiel erreichst du in England oder Schottland deinen Masterabschluss in einem Jahr. Solltest du dir vorgenommen haben, nach der Ausbildung im Ausland zu arbeiten, solltest du bedenken, dass verschiedene Länder auch verschiedene Voraussetzungen haben, um diesen Beruf auszuüben. Deutschland ist bis jetzt noch das einzige Land, in dem man schon nach dem Abschluss der Logopädie-Ausbildung arbeiten kann. In England zum Beispiel kann man frühestens mit einem Bachelorabschluss einsteigen. 

http://www.diakonie-kolleg-hildesheim.de/fileadmin/user_upload/Diakonie_Kolleg_Hildesheim/News/Telefonzelle_72.jpg http://www.diakonie-kolleg-hildesheim.de/fileadmin/user_upload/Diakonie_Kolleg_Hildesheim/News/bridge_72.jpg

Informiere dich vorher, welche Qualifikation du benötigst, um in dem  jeweiligen Land als Logopäde/in arbeiten zu dürfen. Hier möchte ich darauf hinweisen, dass es nur sinnvoll ist, als Logopäde/in im Ausland tätig zu werden, wenn du die Landessprache (zumindest annähernd) wie deine Muttersprache beherrscht. Im Arbeitsalltag einer Logopädin bzw. eines Logopäden geht es in erster Linie um Sprache und Sprechen. Dafür musst du deine Patienten verstehen und sie dich!Und hier nochmal die wichtigsten Dinge, die du bei der Planung eines Auslandaufenthaltes als Logopädin bzw. Logopäde beachten solltest:

  • Was?- Welche Tätigkeit willst du ausüben?
  • Wann?- Planung ist alles! Nimm dir Zeit dafür.
  • Wie lange?- Vergiss nicht den Ausbildungs- und Studienbeginn! 
  • Wo?- Denk immer an die Landessprache!
  • Mit Wem?- Auf eigene Faust oder mit einer Organisation?
  • Wie viel?- Denk bei all der Aufregung auch an die Finanzierung!
  • Wohnen?- Das solltest du unbedingt vor Reisebeginn klären


Abschließend noch ein paar kleine Tipps, die dir den Anfang etwas erleichtern könnten:

  • Wie wichtig eine gute Planung ist, ist glaube ich jetzt deutlich geworden. Aber ich möchte nochmal betonen: Damit steht und fällt alles.• 
  • Reise mit leichtem Gepäck: Es gibt nichts Schlimmeres, als in einem fremden Land mit all deinem Gepäck überfordert zu sein. Glaub mir, ich weiß wovon ich spreche!
  • Telefoniere am Anfang nicht zu oft mit deinen Lieben zu Hause. Das erzeugt nur noch mehr Heimweh.
  • Gib dir Zeit anzukommen und gewöhn dich erst einmal richtig ein.
  • Sprich offen darüber, wenn du Heimweh bekommst, damit andere wissen wie es dir geht und angemessen darauf reagieren können.
  • Nimm an so vielen Veranstaltungen teil, wie du nur kannst. Das schafft tolle Momente in deinem neuen Umfeld.
  • Sei ehrlich zu dir und überfordere dich nicht. Wenn etwas nicht geht, dann geht es nicht!
  • Früher nach Hause fliegen ist kein Zeichen von Schwäche, allerdings solltest du vorher ankündigen, dass du vorhast zu gehen.
  • Setz dich nicht unter Druck, wenn dieses eine Wort auch nach dem zehnten Mal nicht in deinem Kopf abgespeichert ist. Im Notfall nimmst du Hände und Füße zum Erklären!
  • Hab keine Scheu eine Fremdsprache zu sprechen. Sprache lernt man durchs Sprechen!  Und glaub mir: Dir wird keiner böse sein, wenn man deinen deutschen Akzent hört. Meistens sind die Leute völlig begeistert, dass du versuchst ihre Sprache zu sprechen.

Ich hoffe, dass ich dir ein paar hilfreiche Informationen geben konnte, über die Möglichkeiten der Kombination von Logopädie mit einer Tätigkeit im Ausland.

Viel Erfolg und eine gute Reise,

Friederike

http://www.diakonie-kolleg-hildesheim.de/fileadmin/user_upload/Diakonie_Kolleg_Hildesheim/News/Collage_72.jpg